Wildimpuls Geschichte

"Das Jahr hat nicht nur mein Verhältnis zur Natur verändert, sondern auch zu mir selbst und zu Menschen in meiner Umwelt."

ca. 8 Minuten Lesezeit Sven · 55 · Solingen

Einer, der schon viel gemacht hat.

Sven ist 55 Jahre alt. Er hat in seinem Leben viele Dinge getan.

Konditor gelernt. In der Süßwaren- und Pharmaindustrie gearbeitet. Zwei Jahre als Bestatter. Zuletzt: Einkäufer und Nachhaltigkeitsbeauftragter in einer Gesenkschmiede in Solingen – der Klingenstadt, in der sein Schwiegervater eine der ältesten noch aktiven Schneidwarenmanufakturen Deutschlands betreibt, seit 1829 in Familienbesitz.

Er lebt autofrei. Hat seinen Garten mit seiner Frau renaturiert. Mahlt sein Mehl selbst, mit eigenem Getreide vom Bauern um die Ecke.

Und er war immer draußen. Seit seiner Kindheit in einem kleinen Dorf in Oberschwaben, auf knapp 800 Meter Höhe. Seit den 80ern, als ihn ein Kollege auf Rüdiger Nehberg aufmerksam machte und er alle seine Bücher verschlang.

Er dachte, er braucht Wildimpuls nicht wirklich.

"Brauche ich das wirklich?"

— Svens erster Gedanke beim Entdecken von Wildimpuls

Wie es trotzdem dazu kam.

Sven hatte sich die Wanderführerausbildung für das Frühjahr vorgenommen. Dann kam ein anderer Termin dazwischen. Das war schade.

Seine Frau saß mit dem Laptop und sagte: "Guck mal, was ich im Internet gefunden habe."

Wildimpuls.

Sven schaute sich die Seite an. Und dachte: Das ist eigentlich noch viel umfangreicher als das, was ich mit dem Wanderführerkurs wollte.

Er zögerte nicht lange. Er buchte.

Dann kam der Winter.

Im April startete er. Voller Energie. Einem Freund gehörte ein Wald, keinen Kilometer von zu Hause. Die ersten Missionen liefen gut – Sven war wieder draußen, diesmal mit einer Aufgabe. Mit Aufmerksamkeit.

Dann das Treffen an der Havel.

Sven meldete sich sofort an, wollte mit seiner Frau eine Woche Berlin dranhängen. Auf der Hinfahrt: ein kaputtes Knie. Er kam am Campingplatz an – direkt am See, den er so gut kannte vom Bild – und konnte nicht mehr gehen. Nicht einen Schritt.

Stehen, sitzen, Fahrrad fahren: alles kein Problem. Aber gehen: blockiert. Wie eine Mauer.

Als klar war: Das Treffen ist nicht möglich. Abbruch.

Sie riefen sich ein Uber vom Campingplatz ins Hotel. Am nächsten Morgen fuhr Sven 400 Meter zum Bahnhof – mit einem geliehenen E-Bike, weil er die Strecke nicht zu Fuß schaffte. Seine Frau trug das komplette Gepäck: ihren Rucksack, seinen Rucksack, das Zelt.

"Wenn wir nächstes Jahr zum Treffen fahren", sagte sie danach, "dann nur, wenn ich deinen Rucksack wieder tragen darf. Damit wir die Tradition haben."

Sven in der Wintersaison

Dann verlor er den Wald – wegen einer Unstimmigkeit mit dem Freund. Dann verlor er seinen Job. Kündigung im November. Draußen wurde es dunkel. Drinnen auch.

"Die Motivation war auf dem Tiefpunkt. Ich war froh, wenn ich die Arbeitstage einigermaßen überstanden hatte."

Er ließ Wildimpuls ruhen. Erst mal durch den Winter.

"Die Motivation war auf dem Tiefpunkt. Ich war froh, wenn ich die Arbeitstage einigermaßen überstanden hatte."

— Sven

Drei Monate. Und eine Entscheidung.

Die Firma stellte ihn frei. Drei Monate. Mit Gehalt.

Sven saß zu Hause. Bewarb sich. Bekam Absagen. Bei Firmen, von denen er sicher war: die nehmen mich. Die haben gewartet auf jemanden wie mich. Absage. Absage. Absage.

Irgendwann war der Punkt erreicht.

"Die, die mich nicht haben wollen – alle. Dann habe ich das jetzt auch verstanden. Dann muss ich jetzt mein eigenes Ding machen."

Was dann passierte, war kein gemächliches Weitermachen. Es war ein Neustart.

Um 5:30 Uhr aufgestanden. Der Wind hatte ihn aus dem Bett getrieben. Kaffee. Und dann raus – oder an den Schnitzplatz unter dem Carport. Woche für Woche. Mission für Mission. Holz anfassen, Feuer machen, lauschen, beobachten, zeichnen.

"Das Rausgehen, mit den Händen Holz zu berühren und damit zu arbeiten, den Wald zu riechen und die Natur dabei auch zu hören – das alles hat mich wieder mit der Natur verbunden. Sehr intensiv."

"Das alles hat mich wieder mit der Natur verbunden. Sehr intensiv."

— Sven über seinen zweiten Anlauf

Was er in diesen Monaten schuf.

Heringe. Einen Baum-Haken. Einen Pfannenwender – den er beim Geburtstag seiner Frau das erste Mal einweihte. Einen Fischspeer aus Ahorn. Einen Bushcraft-Hammer aus Buche, an dem er sich drei Monate die Zähne ausgebissen hatte, bevor er ihn doch noch bezwungen hat.

Er baute einen Wasserfilter – mit Wasser aus der eigenen Regenwasserzisterne. Den nahm er später mit zum Tag der offenen Tür im Kunstkotten seiner Frau. Oben dreckiges Wasser rein. Unten klares Wasser raus. Die Leute hatten Augen gemacht.

Er legte den Sonnenlauf auf dem Boden seines Grundstücks mit Kreide fest, stundenlang, und hielt ihn danach im Nature Journal mit Aquarellfarben fest.

Er machte mit fünf mal fünf Zentimeter Birkenrinde und drei Zügen mit dem Feuerstahl ein Feuer. Draußen, vor Menschen, die das noch nie gesehen hatten.

"Wenn du dann wirklich dreimal ziehst und da ist ein Feuer – dann hast du solche Augen. Das gibt einfach Sicherheit. Und die Sicherheit, die ich durch diese kleinen Dinge lernen konnte, möchte ich weitergeben."

Er bot anderen Mitgliedern im Forum an, ihre Messer zu schärfen – kostenlos bis auf Porto und Material. Weil er in Solingen lebt. Weil er das kann. Weil er geben wollte, was er hat.

"Ich weiß jetzt, dass ich es kann. Nicht nur, dass ich denke, ich kann es. Ich weiß es. Das gibt mir Sicherheit. Und die kann ich weitergeben."

Der erste Workshop. Im Carport. Bei drei Grad.

Noch bevor Sven das Zertifikat in Händen hielt, testete er etwas aus.

Beim Geburtstag seiner Frau – neun Erwachsene, ein Kind, gerade mal drei Grad, Nieselregen – stellte er ein Glas mit Federn auf den Tisch und bat alle, einfach zu schauen. Zu fühlen. Anzukommen.

Nach fünf Minuten hatten sich Menschen, die sich nicht kannten, miteinander ins Gespräch gefunden. Dann schnitzte jeder einen Toggle. Eineinhalb Stunden lang. Draußen. Im Carport.

"Das war auch für mich eine tolle Erfahrung – welche Gruppendynamik sich da schnell entwickelte. Werkzeuge wurden getauscht, man half sich gegenseitig."

Er wusste: Das ist es.

"Welche Gruppendynamik sich da schnell entwickelte. Werkzeuge wurden getauscht, man half sich gegenseitig."

— Sven über seinen ersten Workshop

Was ihn am meisten überrascht hat.

Sven hatte vor Wildimpuls eine andere Online-Ausbildung gemacht. Vegane Ernährungsberatung. 870 Stunden. Ein schönes Brett.

Und am Ende?

"Du hast dein Zertifikat in der Hand – und stehst da. Und denkst: Und nun? Das Forum war tot. Hat mal jemand eine Frage reingeschrieben. Keine Antwort. Die Ausbildung war fertig. Und damit war auch alles fertig."

Bei Wildimpuls war das anders.

Aber das war nicht die größte Überraschung.

Die größte Überraschung war etwas anderes.

In der Abschlussreflexion für das Wildnismentor-Modul stand eine Aufgabe: Schreib einen Brief an dein jüngeres Ich.

"Der war nicht lang, der Brief. Aber das war eine Nuss, die ich erst mal knacken musste."

Sven hatte nicht damit gerechnet, dass ein Naturhandwerkskurs ihn so tief in sich selbst hineinführen würde. Dass die Missionen nicht nur Fähigkeiten aufbauen, sondern Fragen stellen. Über Prioritäten. Über Werte. Über das, was wirklich zählt.

"Ich habe schon auch eine ganze Menge über mich selber gelernt. Das hatte ich so nicht mitgerechnet."

Wenn nicht jetzt, wann dann?

In vier Monaten schloss Sven das Teilnahmezertifikat ab. Und machte direkt weiter: die Zertifizierung zum Wildnis-Mentor.

Im Mai lud er sechs Menschen auf ein Gelände ein. Zwei kannte er gar nicht. Noch niemand von ihnen hatte je an einem Wildkräuter-Workshop teilgenommen.

Gemeinsam gingen sie über das Gelände und sammelten: Brennnessel, Giersch, Gundermann, Waldmeister, Hollunder, Spitzwegerich. Dann kochten sie – draußen, in einer Outdoorküche.

Sven in der Outdoorküche mit Wildkräutern

Auf dem Tisch am Ende des Abends: Waldmeister-Vanille-Milch-Shake. Champignon-Aufstrich aus Spitzwegerichknospen. Wildkräuter-Butter. Wildkräuter-Frischkäse. Brennnessel-Giersch-Quiche. Gundermann-Bananen-Eis. Hollerküchlein.

Um 19:30 Uhr ging der Abend zu Ende. Alle wollten wiederkommen.

"Ich habe gemerkt, wie hungrig die Menschen nach Wald und Natur sind. Alles, was man macht, wird dankbar angenommen – wie von einem Schwamm aufgesaugt."

"Wie hungrig die Menschen nach Wald und Natur sind. Alles wird dankbar angenommen – wie von einem Schwamm aufgesaugt."

— Sven nach seinem ersten eigenen Workshop

Was sich verändert hat.

Portrait von Sven

Sven ist heute draußen anders unterwegs. Aufmerksamer. Ruhiger.

Er freut sich über Dinge, die er früher kaum bemerkt hätte. Über die Mauersegler, die im Frühsommer zurückkehren. Über den Buntspecht am Meisenknödel. Über die Feuerwanzen im Garten.

Er hat einem Freund Knoblauchsrauke gezeigt. Der hat es weitererzählt. Ein dritter Mensch freut sich jetzt jeden Tag über die Pflanze in seinem eigenen Garten – und tut sie in den Salat.

Nichts geht verloren.

WildWuX Abenteuer.

Aus dem Mann, der im November seinen Job verlor und nicht wusste, wohin, ist jemand geworden, der jetzt besser weiß, was er kann – und es weitergibt.

Sven hat sein eigenes Programm gestartet: WildWuX Abenteuer. Wildnis, Ernährung, draußen sein. Nature Journaling. Regenwanderungen – nicht trotz des Wetters, sondern wegen des Wetters. Kinderbergeburtstage im Wald. Firmenevents. Offline-Stunden für Menschen, die einfach mal nicht ans Handy dürfen.

Alles, was er ein Leben lang gesammelt hat – jetzt in einem eigenen Format. Für Menschen, die genauso hungrig nach Natur sind wie er.

"Nur was man kennt, will man auch schützen. Und die ganz große Mission ist eine bessere Welt."

Sven seine Angebote findest du unter wildwux-abenteuer.de und hier kannst du ihm auf Instagram folgen: @wildwuxabenteuer.

Sven in seinem Element, draußen in der Natur

"Das Jahr hat nicht nur mein Verhältnis zur Natur verändert, sondern auch zu mir selbst und zu Menschen in meiner Umwelt."

— Sven, Wildimpuls Teilnehmer

"Vor diesem Jahr kannte ich den Begriff Mentor und wusste auch was er bedeutet. Heute weiß ich, was das ist."

— Sven, Wildimpuls Teilnehmer

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Svens Weg hat mit einer einfachen Frage angefangen.

Wildimpuls ist ein Jahreskurs für Menschen, die mehr Naturverbindung suchen – nicht als Event, sondern als Haltung. 52 Wochenmissionen, eine lebendige Community, und ein Begleiter, der da ist, wenn du ihn brauchst.

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