Schnitzen, Rehhaare, ein Messer & Bonnie fliegt [FIAB-Mail, 14.08.2026]
Edition: Freitag, 14.08.2026
Der Text hier ist die Aufzeichnung vom wöchentlichen Newsletter – der F.I.A.B. Mail von survival-kompass.de
Howdy.
Es ist so weit, Martin. Großes Bonnie-Update – und es ist ein Abschied:
Gestern haben wir sie freigelassen. 🕊️
Sie wollte nicht mehr in den Käfig, war ständig in Bewegung, ständig unter Strom. Sie wollte einfach nur noch raus.
Und das Körnerpicken? Klappt inzwischen einwandfrei – sie hat riesige Fortschritte gemacht und ist wieder voll überlebensfähig.
Also haben wir sie dort rausgelassen, wo wir sie damals gefunden haben – vor der Tür. Erst auf den Boden, dann aufs Fensterbrett. Drei Minuten Stille. Dann: heftige Flügelschläge – und ab, gen Himmel.
Ich hab richtig gespürt, wie sehr sie das genossen hat. Über das Haus, und weg war sie.
Ein bisschen wehmütig? Klar. Aber vor allem: unfassbar schön.

Weiter zu unseren Themen:
Diese Woche geht's ums Schnitzen (mein erster Löffel war ein Desaster), um ein rätselhaftes Haarbüschel am See und um mein handlichstes Messer.
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So – rein in die F.I.A.B. Mail mit diesem Plan:
Fertigkeit 🪓
Interessant 🤩
Ausrüstung ⛺
Bild 🖼️
Fertigkeit:
Mein erster Holzlöffel war eine Katastrophe.
Zu dick. An einer Stelle ausgerissen. Eher eine Kelle für Riesen als ein Esslöffel.
Ich hab ihn in der Hand gedreht und gedacht: "Na ja. Immerhin ein Löffel. So ungefähr."
Und weißt du was? Man konnte damit Suppe essen. Er hat funktioniert. Und ich war stolz wie Bolle.
Heute weiß ich: Genau so soll das sein.

Aber ein paar Dinge hätten mir damals viel Frust erspart. Zum Beispiel:
✅ Nimm frisches Holz. Kein knochentrockener Ast vom Boden. Linde, Weide, Birke, Hasel – perfekt für den Anfang.
✅ Arbeite mit der Faser, nicht dagegen. Holz hat eine Richtung, wie das Fell einer Katze. Mit dem Strich gleitet das Messer. Gegen den Strich kämpfst du.
✅ Kleine Schnitte statt roher Kraft. Der Fehler, den fast jeder macht (ich auch): zu viel auf einmal wegreißen. Dann ist der Löffel plötzlich zu dünn – oder ganz kaputt. Viele kleine Schnitte bringen dich schneller ans Ziel.
✅ Und das Wichtigste: Ein scharfes Messer ist sicherer als ein stumpfes. Ein stumpfes rutscht ab. Ein scharfes beißt sich fest, wo du es ansetzt.
Aber weißt du, was der einzige echte Fehler beim Schnitzen ist?
Gar nicht erst anzufangen.
Alle sieben Anfänger-Tipps – und warum Schnitzen fast wie Meditation ist – habe ich hier für dich aufgeschrieben:
👉 Schnitzen lernen: 7 Dinge, die ich anfangs nicht wusste
PS: Such dir einen Ast. Nicht den perfekten. Einfach einen. Setz dich hin und mach den ersten Span. Der Rest kommt von allein.
Interessant:
Ich glaube, wir machen es uns oft zu kompliziert. Wir wollen unsere Kinder für die Natur begeistern, überlegen uns Programme, Spiele, Motivationstricks.
Dabei reicht vielleicht etwas viel Einfacheres: dass WIR selbst wieder begeistert sind.
Dass wir losgehen, weil wir wissen wollen, was hinter der nächsten Kurve wartet. Dass wir barfuß durch den Matsch stapfen, Frösche entdecken, Brombeeren direkt vom Strauch naschen.
Und dann einfach sagen: "Ich geh raus. Wer kommt mit?"
Keine Pflicht. Kein Zwang. Nur eine Einladung.
Manchmal kommen sie mit. Manchmal nicht.
Aber wenn wir diese Neugier selbst wieder leben, entsteht irgendwann etwas, das man nicht verordnen kann: echte gemeinsame Abenteuer.
🎬 Hier ist das Video dazu 👇👇👇
Ausrüstung:
Bei einem Wildimpuls-Treffen hatte eine Teilnehmerin dieses kleine Messer dabei.
Ich durfte es kurz ausprobieren – und war sofort verliebt.
Das Morakniv Wood Carving 120.

Seitdem habe ich es selbst. Und ich bin richtig happy damit.
Was mich sofort gepackt hat: Es ist so klein und fein. Genau das macht es unglaublich handlich – und das Schnitzen damit macht einfach Spaß.
68 Gramm. Du spürst es kaum im Rucksack. Die 6-cm-Klinge aus Carbonstahl ist rasierscharf, und der Birkenholzgriff liegt so gut in der Hand, dass die Finger auch nach einer Stunde nicht müde werden.
Egal ob grober Materialabtrag oder feine Details – du hast immer die volle Kontrolle. Perfekt auch für Anfänger und Kinder.
Ehrlich bleibt ehrlich, zwei kleine Schwächen gibt's: Die Spitze ist empfindlich, für grobe Survival-Hebeleien ist es nicht gemacht. Und die Plastikscheide ist zweckmäßig, aber kein Schmuckstück.
Fürs Schnitzen aber? Für mich eine glatte 10 von 10. Zwar mit rund 30 € nicht das Günstigste, aber dafür die bewährte Mora-Qualität.
👉 Mein ausführliches Review: Morakniv Wood Carving 120
PS: Wenn du gerade erst mit dem Schnitzen anfängst, ist genau dieses Messer ein perfekter Startpunkt. Scharf, günstig, unkaputtbar. Mehr brauchst du nicht.
Bild:
Thüringen. An einem See. Ich hocke am Ufer – und da liegt ein kleines Büschel Haare.


Ich hätte weitergehen können. Bin ich aber nicht.
Denn diese Haare hatten was zu erzählen.
Sie sind leicht gewellt. Die Spitzen deutlich dunkler gefärbt, die Farbe schön kräftig. Nicht borstig, aber auch nicht weich wie Watte.
Und dann der spannendste Test: Ich habe ein Haar geknickt. Und es ist nicht zurückgefedert. Es blieb einfach geknickt liegen.
Genau das macht mich neugierig. Denn dieses Bruchverhalten ist ein echter Fingerzeig. Manche Tierhaare federn sofort zurück wie ein Gummiband. Andere brechen – weil sie innen hohl sind, wie ein winziger Strohhalm voller Luft.
Ich habe eine Vermutung, welches Tier hier am Ufer war. Aber ich verrate sie noch nicht. 😉
Was denkst du – von welchem Tier sind diese Haare?
Stimme ab, um die Auflösung zu sehen!
1) Wildschwein
2) Fuchs
3) Reh
4) Feldhase
Das war's für diese Woche.
Schnitz dir einen Löffel (auch wenn er schief wird). Knick mal ein Haar, das du findest. Und wenn du eine Taube siehst, die besonders selbstbewusst guckt – vielleicht ist es Bonnie auf ihrem ersten Solo-Ausflug.
Grüß sie schön von mir. 🕊️
In wilder Verbundenheit,
Martin
PS: Kleine Info am Rande: Ich bin von Freitag bis Sonntag auf einem Wildniscamp und begleite eine Gruppe draußen. Falls ich also nicht sofort zurückschreibe – du weißt jetzt, warum. Ich sitze gerade irgendwo am Feuer und lausche vermutlich gerade einem Specht.
P. S. Du suchst die hochwertigste Outdoor-Ausrüstung? Dann gehts hier zu den Kaufratgebern. Finde hier meine Liste zur eigenen Ausrüstung, die ich regelmäßig nutze.
Autor des Ratgebers
Martin Gebhardt
Hey, ich bin Martin und ich bin Wildnis-Mentor. Auf meinem Blog lernst du die Basics sowie zahlreiche Details zum Outdoor-Leben. Schnapp dir meine 35 einfach umsetzbaren Survival-Hacks, um ab morgen nicht mehr planlos im Wald zu stehen. Lies mehr über mich auf meiner “Über mich”-Seite.
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