Wie verhalte ich mich bei Wildschweinen richtig?

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Martin Gebhardt

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Wie verhalte ich mich bei Wildschweinen richtig?

Die Wälder hierzulande sind ungefährlich.

Dennoch wirst du großen Respekt haben, wenn dir auf einer Tour ein Wildschwein in freier Wildbahn begegnet.

Durch ihren gedrungenen Körperbau und ihre besonders scharfen Eckzähne wirken die Tiere gefährlich.

Wenn du wissen willst, wie du dich bei einer Begegnung mit einem Wildschwein angemessen verhältst, dann bist du hier richtig.

Das Wildschwein

Die Tiere scheinen meist zutraulich, trotzdem ist bei einer solchen Konfrontation Vorsicht geboten.

Du solltest zunächst etwas Allgemeines über die Borstentiere in Erfahrung bringen. Erst dann werde ich dir von den möglichen Gefahren und davon, wie du sie vermeiden kannst, erzählen.

Äußere Merkmale

Bei einem Wildschwein handelt es sich um ein stattliches Tier. Die ausgewachsenen Männchen, auch als Keiler bekannt, wiegen bis zu 400 Kilogramm.

Die Weibchen, die Bachen, bringen währenddessen rund 100 Kilogramm auf die Waage. Die Borstentiere bringen es bis zu einer Rumpflänge von 180 Zentimetern und einer Schulterhöhe von etwa 110 Zentimetern.

Das markanteste Merkmal eines Wildschweins sind die langen, nach außen wachsenden Eckzähne.

Diese werden bei den Bachen als Haken bezeichnet. Die Zähne der Keiler werden im Oberkiefer als Haderer und im Unterkiefer Waffen oder Gewehre bezeichnet.

Sie sind messerscharf, die Tiere graben damit sogar den Boden auf.

Keiler
Keiler

Lebensraum und Vorkommen

Nahezu im ganzen europäischen Gebiet ist das Schwarzwild vorzufinden, mit Ausnahme der skandinavischen Länder. Außerdem gibt es in Nordafrika und Teilen Asiens Wildschweine.

Die Tiere bevorzugen große Waldgebiete mit sumpfigen Untergründen und einer Menge Dickicht. In Kesseln, also einfachen Bodenmulden, verbringen sie ihren Tag.

Soziale Struktur und Nachwuchs

In besagten Kesseln bringen die Bachen auch den Nachwuchs zur Welt. Die Jungtiere werden als Frischlinge bezeichnet.

Diese Wurfkessel werden von den Bachen mit einem hohen Aufwand errichtet. Sie müssen die Jungtiere auch im Winter warmhalten.

Die Hauptzeit für das Werfen von Jungen liegt zwischen März und Mai. Die Bachen leben mit ihren Jungtieren in Rotten zusammen. Das sind familiäre Verbände, bestehend aus acht bis etwa 30 Tieren. Die Keiler sind grundsätzlich Einzelgänger.

Die Bachen schließen sich mit ihren Jungtieren und den vorjährigen Frischlingen zu einer Rotte zusammen. Meist sind hier auch andere Bachen mit ihrem Nachwuchs Teil davon. Es gibt eine Leitbache, welche die Rotte bewacht und beschützt.

Bei den Wildschweinen herrscht ein Matriarchat vor. Das heißt, dass die Weibchen das Sagen haben. Die Bachen werfen einmal pro Jahr vier bis acht Frischlinge.

Wildschweine sind ausgesprochen intelligente und vorsichtige Tiere. Wenn sie nicht erschossen oder überfahren werden, liegt die Lebenserwartung eines Wildschweins bei bis zu 20 Jahren.

Nahrung

Das Wildschwein ist ein Allesfresser. Der Anteil an tierischer Nahrung liegt nur bei etwa 10 Prozent. Eines der wenigen Nahrungsmittel, die Wildschweine nicht mögen, sind Kastanien.

Die Tiere verfügen über einen ausgeprägten Geschmacks- und Geruchssinn. Sie können einzelne Sorten Kartoffeln und Äpfel unterscheiden.

Es kommt vor, dass die Tiere Kartoffel-, Getreide- oder Rübenfelder aufsuchen und sie umgraben. Dabei zerstören sie einen Großteil des Feldes. Der Boden wird von ihren Eckzähnen auf der Suche nach Nahrung aufgebrochen.

Im Herbst werden die Tiere wieder aktiver. Sie gehen auf intensive Nahrungssuche, um sich einen Winterspeck anfressen zu können.

Die Gefahren

Wildschweine sind friedliebende und harmlose Tiere. Für gewöhnlich sind sie auch nicht aggressiv.

Bei einer Begegnung haben sie mehr Angst vor dir als du vor ihnen.

Der Mensch ist ein Feind der Borstentiere. Ursprünglich waren sie tagaktiv, weil der Mensch aber begonnen hat, sie zu jagen, haben sie ihre aktive Zeit in die Dämmerung und in die Nacht hineinverschoben.

Solange du dich auf Waldwegen befindest und auch dort bleibst, beobachten die Tiere dich. Dort bist du für sie berechenbar und stellst keine Gefahr dar.

Auf einem befestigten Waldweg wirst du nur sehr selten einem Wildschwein begegnen. Ein solcher wird von ihnen meist nur schnell überquert. Ein Hundebiss ist sogar wahrscheinlicher als von einem Wildschwein angegriffen zu werden.

Dennoch besteht die Wahrscheinlichkeit, auf sie zu treffen. Wirklich gefährlich wird es aber nur in vier Extremsituationen, die ich dir jetzt näherbringen werde.

Das Jungtier

Gerätst du zwischen eine Bache und ihre Frischlinge, fühlt sie sich attackiert und wird sich und ihren Nachwuchs mit ihrem Leben verteidigen. Auch dann, wenn du gar keine böse Absicht hattest.

Du wirst aber vorgewarnt, wenn du dich einer Rotte näherst. Die Bache wird sich durch lautes Schnauben bemerkbar machen.

Achte aus diesem Grund auf deine Umgebung und hör genau hin, wenn du Geräusche ausmachen kannst.

Dreh dich um und geh denselben Weg wieder zurück, den du gekommen bist, wenn du das Schnauben eines Wildschweins bemerkst.

Beginne nicht zu laufen. Lässt du die Bache in Ruhe, wird auch sie dich in Ruhe lassen.

Wildschwein Frischlinge
Wildschwein Frischlinge

Der angriffslustige Hund

Wenn du mit deinem getreuen Gefährten im Wald unterwegs bist, kann das gefährlich werden.

Ein Wildschwein wird einen Hund oder einen Menschen niemals grundlos angreifen.

Will dein Hund dich aber verteidigen und läuft dem Wildschwein nach oder bellt es an, dann ist es gut möglich, dass das Schwein sich bedroht fühlt. Aus Angst wird das Wildschwein dann deinen Hund angreifen - und im schlimmsten Fall auch dich.

Nimm deinen Hund deshalb immer an die Leine. Meist besteht in vielen Gebieten ohnehin eine Anleinpflicht für Hunde. Beachte diese.

Der verletzte Keiler

Ein Keiler ist sehr aggressiv und angriffslustig, wenn er verletzt wurde. Dies passiert hauptsächlich durch Autounfälle oder wenn ein Jäger einen nicht tödlichen Schuss abgegeben hat.

Ein verletzter Keiler wird von blinder Wut geführt und ist extrem gefährlich. Wenn du auf einen solchen stoßen solltest, entferne dich langsam von ihm. Informiere sofort die Polizei, wenn du genügend Abstand zu dem Tier eingenommen hast.

Keiler
Keiler

Bei Dunkelheit unberechenbar

Besonders gefährlich ist es, wenn du in der Dämmerung oder bei Nacht im Wald unterwegs bist. In dieser Zeit rechnen die Tiere nicht mit dem Menschen.

Wenn sie dann auf dich treffen, sind sie in erster Linie überrascht und mit der Begegnung überfordert. In diesem Moment sind die Tiere unberechenbar. Du kannst sie nicht einschätzen.

Es ist wie beim Menschen in einer Gefahrensituation: entweder Flucht oder Angriff. Flüchtet das Tier, ist das gut für dich. Greift es dich jedoch an, geht das nicht gut für dich aus.

Vermeide es daher, zu später Stunde zu wandern oder nach Pilzen zu suchen. Die beste Zeit für letzteres sind ohnehin die frühen Morgenstunden.

Die Begegnung

Du triffst auf ein Wildschwein, aber es verhält sich dir gegenüber weder angriffslustig, noch aggressiv. Für viele ist diese Vorstellung sehr gruselig. Ich verrate dir aber, wie du mit dieser Begegnung richtig umgehst.

Am besten ist es, wenn du das Tier ignorierst.

Lass dich nicht dazu verleiten, das Wildschwein zu streicheln. Es könnte den Annäherungsversuch als Angriff werten und sich verteidigen wollen.

Geh stattdessen einfach weiter und vermeide hastige oder hektische Bewegungen. Füttere das Tier auch nicht.

Niemals darfst du versuchen, Dominanz und Überlegenheit zu zeigen. Greif das Tier nicht mit einem Stock oder dergleichen an.

Ein Wildschwein ist sich seiner Kraft und seinem Gewicht bewusst. Ein solches Tier kann es mit seinen bis zu 400 Kilogramm problemlos mit einem Menschen aufnehmen. Fordere dies nicht heraus.

Lauf auch nicht weg. Das wird dir nämlich nichts bringen, da ein Wildschwein dich problemlos einholen kann. Bleib ruhig und genieße diese außergewöhnliche Begegnung.


Willst du unbedingt einmal ein solches Borstentier treffen oder kannst du auf diese Begegnung getrost verzichten? Bist du schon einmal einem Wildschwein begegnet? Wie war diese Erfahrung für dich? Hattest du Angst? Wie hat sich das Tier verhalten? Wie hast du reagiert?

Berichte gerne in den Kommentaren über deine Erfahrungen!


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