3 Wald-Ideen, die du morgen sofort umsetzen kannst – ohne Vorbereitung, ohne Material
👉 Das Wichtigste in Kürze
- Wenn du mal wieder spontan mit Kids in den Wald willst und keine Zeit für Vorbereitung hast, sind diese drei Spielideen dein Retter in der Not!
- Beim "Baumfreund" verbindest du einem Kind die Augen, führst es zu einem Baum, um es mit allen Sinnen zu ertasten – die Kinder finden "ihren" Baum danach fast immer wieder und entwickeln eine tiefe Naturverbindung.
- Das "Naturmemory" schult die Sinne super: Du legst ein paar Naturgegenstände aus, die Kinder merken sich diese und suchen dann selbst die gleichen – da werden selbst kleinste Details im Wald wichtig.
- Lass die Kinder mit dem "Tiergang" wie ihre Lieblingstiere durch den Wald schleichen oder hüpfen, ohne zu verraten, welches Tier sie sind; danach entstehen automatisch tiefgehende Gespräche über die Natur und ihre Bewohner.
- Diese Spiele funktionieren so gut, weil sie ohne viel Gerede auskommen, alle Sinne ansprechen und unvergessliche Erlebnisse schaffen, die Kinder noch lange begleiten.
- Such dir einfach eine dieser genialen Ideen aus und probier sie bei deinem nächsten Ausflug aus – du wirst sehen, wie begeistert die Kids dabei sind und ganz nebenbei die Natur entdecken!
Du stehst morgen früh mit einer Gruppe Kinder am Waldrand.
Der Plan von gestern? Irgendwo zwischen Mittagessen und dem dritten Kaffee verschwunden. Das Material, das du dir vorgenommen hattest? Liegt noch zuhause auf dem Küchentisch.
Und jetzt?
Jetzt brauchst du genau das hier: Drei Ideen, die funktionieren. Immer. Ohne Vorbereitung. Ohne Ausrüstung. Nur du, die Kinder und der Wald.
Ich nutze diese drei Spiele seit Jahren – mit Kindergruppen, mit Erwachsenen, mit meinen eigenen Jungs. Sie sind so einfach, dass du sie dir in fünf Minuten merkst. Und so wirkungsvoll, dass Kinder noch Wochen später davon erzählen.
Los geht's.
1. Der Baumfreund
Was du machst
Verbinde einem Kind die Augen – mit einem Tuch, einer Mütze, oder es schließt sie einfach.
Dann führst du es über Umwege zu einem Baum. Nicht den nächsten. Nimm einen kleinen Umweg, dreh dich einmal im Kreis, mach es ein bisschen spannend.
Am Baum angekommen darf das Kind:
- Die Rinde abtasten
- Den Stamm umfassen (wie dick ist er?)
- Daran riechen
- Lauschen, ob es etwas hört
- Vielleicht sogar die Wurzeln am Boden ertasten
Dann führst du das Kind zurück zum Ausgangspunkt, nimmst die Augenbinde ab und fragst:
"Findest du deinen Baum wieder?"

Warum das funktioniert
Wenn wir die Augen schließen, wachen die anderen Sinne auf.
Plötzlich spüren Kinder Dinge, die sie sonst übersehen: Die Rillen in der Rinde. Den Unterschied zwischen rauer Eiche und glatter Buche. Den Geruch von Harz. Die Kühle des Stammes auf der Nordseite.
Und dann passiert etwas Magisches: Das Kind findet seinen Baum wieder. Fast immer. Manchmal nach dem ersten Versuch, manchmal nach dem dritten – aber es findet ihn.
Und ab diesem Moment hat dieses Kind "seinen" Baum im Wald.
Ich habe Kinder erlebt, die Wochen später zu mir kamen und sagten: "Martin, können wir zu meinem Baum gehen?"
Das ist Naturverbindung. Nicht erklärt, sondern erlebt.
Varianten
- Für Ältere: Zwei Kinder arbeiten zusammen – einer führt, einer sucht. Dann Rollentausch.
- Für Gruppen: Alle Kinder werden gleichzeitig zu verschiedenen Bäumen geführt (braucht mehrere Erwachsene oder ältere Kinder als Führer).
- Im Winter: Funktioniert genauso gut – die Rinde fühlt sich sogar intensiver an, wenn es kalt ist.
- Schwieriger: Das Kind muss den Baum nicht nur finden, sondern auch beschreiben, bevor es die Augen öffnet. "Mein Baum hat tiefe Rillen und ist so dick, dass ich ihn nicht ganz umfassen kann."

2. Das Naturmemory
Was du machst
Sammle fünf Dinge aus dem Wald und lege sie auf ein Tuch oder einen freien Fleck am Boden:
- Ein Blatt
- Ein Stein
- Ein Stück Rinde
- Eine Feder
- Etwas Moos
Die Kinder schauen 30 Sekunden lang genau hin.
Dann deckst du alles mit einem Tuch ab.
Jetzt ist die Aufgabe: Sammelt genau diese fünf Dinge und legt sie genauso hin.

Warum das funktioniert
Dieses Spiel trainiert so viel mehr als nur das Gedächtnis.
Die Kinder müssen:
- Genau hinschauen (Welches Blatt war das? Eiche oder Buche?)
- Sich erinnern (Wo lag der Stein? Rechts oder links?)
- Suchen und finden (Gibt es hier überhaupt Moos?)
- Zusammenarbeiten (Wer holt was?)
Und ganz nebenbei lernen sie die Dinge im Wald kennen. Nicht, weil du ihnen einen Vortrag hältst – sondern weil sie die Sachen selbst in der Hand halten.
Ich hab mal ein Kind erlebt, das 20 Minuten lang den perfekten Stein gesucht hat. "Der war aber ein bisschen flacher, Martin!" Das ist Aufmerksamkeit, die du nicht erzwingen kannst.
Varianten
- Einfacher: Nur drei Gegenstände für jüngere Kinder.
- Schwieriger: Sieben oder acht Gegenstände. Oder: Die Kinder dürfen nur fünf Sekunden schauen.
- In Teams: Zwei Gruppen treten gegeneinander an. Wer ist schneller?
- Mit Twist: Während die Kinder suchen, nimmst du heimlich einen Gegenstand weg oder tauschst ihn aus. "Was ist anders?"
- Fortgeschritten: Die Kinder legen selbst ein Memory für eine andere Gruppe.
Tipp für Gruppenarbeit
Teile die Gruppe auf und gib jedem Kind eine Aufgabe:
- "Du suchst das Blatt."
- "Du merkst dir, wo alles liegt."
- "Du bist der Zeitwächter."
So ist jeder eingebunden, und es gibt kein Chaos.

3. Der Tiergang
Was du machst
Die Regeln sind simpel:
"Bewegt euch wie ein Tier durch den Wald. Aber sagt nicht, welches Tier ihr seid – die anderen dürfen raten."
Dann lässt du die Kinder los.

Was dann passiert
Plötzlich schleichen Füchse durchs Unterholz.
Hasen hüpfen über Wurzeln.
Rehe stolzieren an dir vorbei.
Manche Kinder werden zu Vögeln und flattern mit den Armen. Andere werden zu Schnecken und bewegen sich quälend langsam vorwärts.
Und dann kommt der beste Teil: Die Gespräche danach.
Die Fragen, die alles öffnen
Wenn sich alle ausgetobt haben, setzt euch zusammen und fragt:
- "Was macht den Fuchs zum Fuchs?"
- "Warum hüpft der Hase so?"
- "Wie bewegt sich ein Reh anders als ein Wildschwein?"
- "Welches Tier war am schwersten nachzumachen? Warum?"
Ich verspreche dir: Dabei entstehen die besten Gespräche.
Kinder fangen an zu überlegen: Warum schleicht der Fuchs? Weil er jagt. Warum hüpft der Hase? Weil er flieht. Warum ist das Reh so vorsichtig? Weil es immer Ausschau hält.
Plötzlich reden wir über Räuber und Beute. Über Tarnung. Über Überleben im Wald. Nicht weil ich einen Vortrag halte – sondern weil die Kinder selbst drauf kommen.
Das ist Coyote Teaching in Reinform.
Varianten
- Mit Geräuschen: Die Tiere dürfen auch Laute machen. Ein krächzender Rabe. Ein grunzendes Wildschwein.
- In Zeitlupe: Alle bewegen sich ganz langsam. Wie würde eine Schnecke einen Fuchs darstellen?
- Räuber und Beute: Ein Kind ist Fuchs, die anderen Mäuse. Der Fuchs versucht, sich anzuschleichen.
- Blind: Mit geschlossenen Augen – wie orientiert sich eine Fledermaus?

Was diese drei Spiele gemeinsam haben
Ich hab lange überlegt, warum genau diese drei Ideen so gut funktionieren.
Hier ist, was ich glaube:
Sie brauchen keine Erklärung. Du sagst einen Satz, und die Kinder wissen, was zu tun ist. Kein Regelwerk, kein Material, keine Vorbereitung.
Sie sprechen alle Sinne an. Tasten, Riechen, Sehen, Hören, Bewegen. Kinder lernen nicht durch Zuhören – sie lernen durch Erleben.
Sie enden mit Geschichten. Jedes Kind geht mit seiner eigenen Geschichte nach Hause. "Ich hab meinen Baum gefunden!" "Ich war ein schleichender Fuchs!" "Ich hab das Moos entdeckt!" Das bleibt.
Sie machen dich überflüssig. Im besten Sinne. Du gibst den Impuls, und dann passiert alles von selbst. Du musst nicht animieren, nicht antreiben, nicht unterhalten. Du darfst einfach danebenstehen und zuschauen.
Und genau das ist Naturpädagogik für mich.
Nicht Programme abspulen. Sondern Räume öffnen.

Probier es aus
Such dir eine der drei Ideen aus.
Nur eine.
Und mach sie bei deinem nächsten Waldtag.
Nicht perfekt. Nicht durchgeplant. Einfach machen.
Und dann schreib mir, was passiert ist. Ich freue mich über jede Nachricht.
Wenn du mehr willst
Diese drei Ideen sind ein Anfang.
Wenn du tiefer einsteigen willst – wenn du ein ganzes Jahr lang jede Woche neue Impulse bekommen möchtest, eine Gemeinschaft von Gleichgesinnten suchst und deine eigene Naturverbindung vertiefen willst – dann schau dir Wildimpuls an.
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PS: Speicher dir diesen Beitrag für deinen nächsten Waldtag. Oder schick ihn an jemanden, der das brauchen kann.
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Autor des Ratgebers
Martin Gebhardt
Hey, ich bin Martin und ich bin Wildnis-Mentor. Auf meinem Blog lernst du die Basics sowie zahlreiche Details zum Outdoor-Leben. Schnapp dir meine 35 einfach umsetzbaren Survival-Hacks, um ab morgen nicht mehr planlos im Wald zu stehen. Lies mehr über mich auf meiner “Über mich”-Seite.
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