Der Sommer verabschiedet sich - und nur die wenigsten bemerken es

Der Sommer verabschiedet sich - und nur die wenigsten bemerken es

Der Sommer endet nicht plötzlich - er geht Tag für Tag. Die leisen Zeichen des Übergangs zum Herbst und warum echte Naturverbindung im Wahrnehmen liegt.

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👉 Das Wichtigste in Kürze

  • Der Sommer endet nicht plötzlich - er verabschiedet sich Tag für Tag, in kleinen, leisen Zeichen.
  • Die Tage werden schon wieder kürzer - nur ein paar Minuten, aber der Wald hat es längst bemerkt.
  • Viele Pflanzen blühen nicht mehr - sie stecken ihre Kraft jetzt in die Samen.
  • Es wird leiser - viele Vogelstimmen verstummen, weil sich der Rhythmus des Waldes verändert.
  • Spinnennetze im Morgentau, reifende Brombeeren, schwellende Haselnüsse - die ersten Boten des Herbstes.
  • Naturverbindung bedeutet nicht, mehr zu wissen - sondern die Veränderungen wahrzunehmen.

Der Sommer endet nicht plötzlich.

Er verabschiedet sich Tag für Tag.

Ein paar Minuten weniger Licht. Weniger Vogelstimmen. Reifende Früchte. Die ersten Spinnennetze im Morgentau.

Die meisten Menschen bemerken das alles erst, wenn der Herbst schon da ist. Wenn es morgens plötzlich kalt ist. Wenn die ersten Blätter fallen. Wenn man abends die Jacke wieder rausholt.

Dann heißt es: "Wo ist denn jetzt der Sommer geblieben?"

Dabei ist er nicht verschwunden. Er hat sich verabschiedet. Langsam. Höflich. Über Wochen.

Man muss nur hinschauen.

Die Tage werden schon wieder kürzer

Wir haben die Sommersonnenwende längst hinter uns. Seit dem 21. Juni werden die Tage wieder kürzer.

Erst nur um Sekunden. Dann um Minuten.

Für uns ist das kaum spürbar. Wir haben elektrisches Licht, wir haben Kalender, wir haben Klimaanlagen. Der Rhythmus der Sonne ist für viele von uns fast bedeutungslos geworden.

Aber der Wald hat es längst bemerkt.

Pflanzen und Tiere reagieren extrem fein auf die Tageslänge. Sie messen das Licht genauer als jede Uhr. Und sie stellen sich um - lange bevor wir Menschen überhaupt merken, dass sich etwas verändert.

Wenn du wissen willst, wie tief diese Kreisläufe gehen, schau in meinen Artikel über Winterschlaf, Winterruhe und Winterstarre. Was da im Herbst beginnt, wird jetzt im Spätsommer vorbereitet.

Die Pflanzen stecken ihre Kraft in die Samen

Geh mal raus und schau dir die Wiesen an.

Vieles blüht nicht mehr. Wo im Juni und Juli noch Farbe war, ist jetzt oft schon Braun und Beige.

Das ist kein Sterben. Das ist Strategie.

Die Pflanzen haben ihre Blütezeit hinter sich. Jetzt stecken sie ihre ganze Kraft in die Samen. In die nächste Generation. In das Überleben über den Winter hinweg.

trocken stachelig goldenes distelkopf

Der Löwenzahn ist zur Pusteblume geworden. Die Doldenblütler tragen ihre Samenstände wie kleine Kronen. Das Weidenröschen verstreut seine watteweichen Flugsamen.

Es ist ein stiller, gewaltiger Prozess. Die ganze Wiese arbeitet an der Zukunft.

Es wird leiser

Das ist eines der Zeichen, das mich jedes Jahr aufs Neue berührt.

Im Mai und Juni ist der Wald ein Konzertsaal. Die Vögel singen um Reviere, um Partnerinnen, um ihr Leben. Von der ersten Dämmerung an.

Jetzt, im Spätsommer, wird es leiser.

Viele Vogelstimmen verstummen langsam. Nicht, weil der Wald still wird. Sondern weil sich sein Rhythmus verändert.

Die Brut ist durch. Die Jungen sind flügge. Der Gesang, der im Frühjahr der Fortpflanzung diente, wird nicht mehr gebraucht. Manche Vögel bereiten sich schon auf den Zug in den Süden vor.

Wer die Vogelsprache ein wenig kennt, hört diesen Wandel deutlich. Der Sound des Waldes verändert sich - von der drängenden Frühlingssymphonie zu einem ruhigeren, sachlicheren Ton.

Die Spinnennetze im Morgentau

Achte in den nächsten Wochen mal morgens auf die Spinnennetze.

Sie waren die ganze Zeit da. Aber jetzt siehst du sie plötzlich - weil der Morgentau sie mit tausend winzigen Tropfen überzieht und im schrägen Licht zum Leuchten bringt.

Dass der Tau morgens immer häufiger und dichter wird, ist selbst schon ein Zeichen. Die Nächte werden kühler. Die Luftfeuchtigkeit kondensiert. Der Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht wächst.

Ein glitzerndes Spinnennetz im August-Morgen ist für mich einer der schönsten Boten des kommenden Herbstes. Es sagt leise: Es dreht sich. Die Jahreszeit wechselt.

glitzerndes spinnennetz tautropfen

Brombeeren färben sich, Haselnüsse reifen

Und dann die Früchte.

Die Brombeeren an den Wegrändern färben sich - von hart und grün über rot zu tiefem, glänzendem Schwarz. Die ersten sind schon reif und süß.

Die Haselnüsse schwellen in ihren grünen Hüllen. Noch sind sie nicht so weit, aber sie arbeiten daran.

In den Hecken hängen bald Holunderbeeren, Hagebutten röten sich, die Eberesche leuchtet.

Der Herbst kündigt sich nicht laut an. Er beginnt ganz leise. Mit einer einzelnen reifen Brombeere an einem sonnigen Wegrand.

Wenn du im Winter dann ernten willst, findest du hier meine Anleitung zur Hagebutte - der Vitamin-C-Bombe des Herbstes.

bunte brombeeren haselnuesse

Der Unterschied zwischen ab und zu und regelmäßig

Und jetzt kommt der Punkt, um den es mir eigentlich geht.

Wenn du nur ab und zu draußen bist, ist der Herbst plötzlich da.

Du warst im Juli das letzte Mal richtig im Wald, kommst im September wieder - und alles hat sich verändert. Es fühlt sich an wie ein Schnitt. Ein Sprung. Als hätte jemand über Nacht die Kulisse ausgetauscht.

Wer aber regelmäßig hinausgeht, erlebt etwas völlig anderes.

Er erlebt jeden kleinen Übergang. Die erste schwarze Brombeere. Das erste glitzernde Netz. Den Tag, an dem eine bestimmte Vogelstimme zum letzten Mal zu hören ist.

Für ihn gibt es keinen Sprung. Es gibt einen sanften, fließenden Wandel, den er mit allen Sinnen begleitet.

Das ist ein völlig anderes Erleben von Zeit. Und ehrlich gesagt: ein viel reicheres.

Wer damit anfangen will, dem empfehle ich meinen Artikel über den Sitzplatz in der Wildnispädagogik - ein einziger, immer gleicher Ort, den du regelmäßig besuchst, zeigt dir den Wandel der Jahreszeiten wie ein Zeitrafferfilm.

moosiger baum hand wald

Was Naturverbindung wirklich bedeutet

Ich sage es, wie ich es meine:

Naturverbindung bedeutet nicht, mehr über die Natur zu wissen.

Du musst nicht jede Pflanze bestimmen können. Du musst nicht jeden Vogel am Ruf erkennen. Du musst kein wandelndes Lexikon sein.

Naturverbindung bedeutet, ihre Veränderungen wahrzunehmen.

Zu spüren, dass sich etwas dreht. Zu bemerken, dass es leiser wird. Zu sehen, dass die erste Brombeere reif ist.

Es geht nicht ums Wissen. Es geht ums Hinschauen.

Und das Schöne ist: Das kann jeder. Sofort. Ohne Vorwissen, ohne Ausrüstung, ohne Kurs. Du musst nur rausgehen und deine Sinne öffnen.

Mehr dazu in meinem Artikel über Naturverbundenheit und den 33 Tipps für mehr Naturverbindung.

moosbewachsener ast wald

Was du diese Woche tun kannst

Geh raus.

Nicht mit einem Ziel. Nicht mit einer Liste. Einfach raus.

Und dann frag dich: Welches Zeichen entdecke ich, dass sich der Sommer verabschiedet?

Vielleicht ist es ein Spinnennetz im Morgentau. Vielleicht eine reife Brombeere. Vielleicht der Moment, in dem dir auffällt, wie viel leiser es geworden ist.

Es gibt kein falsches Zeichen. Es gibt nur das Hinschauen.

Und wenn du magst, teile deine Beobachtung mit jemandem, der die Natur genauso liebt wie du. Denn geteilte Aufmerksamkeit ist doppelte Aufmerksamkeit.

Der Sommer geht. Aber er geht nicht schnell.

Er gibt uns Zeit, uns zu verabschieden - wenn wir sie uns nehmen.

Wer den Wandel der Jahreszeiten das ganze Jahr über begleiten will, für den habe ich meinen Wildkräuterkalender gemacht - er zeigt dir Monat für Monat, was draußen gerade passiert und Saison hat. Kostenlos, hier findest du ihn: Wildkräuterkalender herunterladen

Fragen und Antworten (Q&A) zum Thema

Kalendarisch am 22. oder 23. September (Herbst-Tagundnachtgleiche), meteorologisch am 1. September. In der Natur beginnt der Übergang aber viel früher - schon ab Ende Juli, direkt nach der Sommersonnenwende, stellen sich Pflanzen und Tiere um.
An mehreren leisen Zeichen: kürzere Tage, verstummende Vogelstimmen, verblühte Pflanzen mit reifenden Samen, dichtere Spinnennetze im Morgentau, reifende Brombeeren und schwellende Haselnüsse.
Weil die Brutzeit vorbei ist. Der Gesang im Frühjahr dient vor allem der Reviermarkierung und Partnersuche. Sind die Jungen flügge, wird er nicht mehr gebraucht. Manche Arten bereiten sich zudem auf den Vogelzug vor.
Nicht in erster Linie Wissen über Arten und Namen, sondern die Fähigkeit, die Natur und ihre ständigen Veränderungen bewusst wahrzunehmen. Es geht ums Hinschauen und Spüren, nicht ums Auswendiglernen.
Geh regelmäßig an denselben Ort in der Natur - idealerweise wöchentlich. So erlebst du jeden kleinen Übergang statt eines plötzlichen Sprungs. Der Sitzplatz aus der Wildnispädagogik ist dafür die ideale Methode.
Brombeeren sind die ersten. Später folgen Holunderbeeren, Hagebutten, Haselnüsse, Schlehen und Eberesche. Achte auf die Reife und sammle nur, was du sicher kennst.
Dein Martin vgwort

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Martin Gebhardt

Autor des Ratgebers


Martin Gebhardt

Hey, ich bin Martin und ich bin Wildnis-Mentor. Auf meinem Blog lernst du die Basics sowie zahlreiche Details zum Outdoor-Leben. Schnapp dir meine 35 einfach umsetzbaren Survival-Hacks, um ab morgen nicht mehr planlos im Wald zu stehen. Lies mehr über mich auf meiner “Über mich”-Seite.

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