Was ist ein Kienspan? [Bedeutung, Herkunft, Anwendung]

Kategorie: Bushcraft | 5 Kommentare


Martin Gebhardt

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Was ist ein Kienspan? [Bedeutung, Herkunft, Anwendung]

Bestimmt hast du bereits etwas vom berüchtigten Kienspan gehört.

Du bist dir aber immer noch nicht sicher, worum es sich dabei handelt? In diesem Fall bist du hier genau richtig.

Ich erkläre dir in diesem Artikel, was ein Kienspan ist, woher der Begriff kommt und wie ein Kienspan früher verwendet wurde. Außerdem gebe ich dir ein paar praktische Anwendungsbeispiele und eine Anleitung zur Herstellung von Kienspänen mit.

Was ist ein Kienspan?

Kienspan oder auch Kienholz ist ein kleines Stück von besonders harzreichem Holz. Es wird vierkantig oder direkt flach gespalten. Früher wurde es als Lichtquelle genutzt. Heute nutzt man Kienspäne hauptsächlich als Zunder um ein Feuer zu entfachen.

Harz im Holz - daraus wird ein Kienspan hergestellt
Harz im Holz - daraus wird ein Kienspan hergestellt

Kienspäne werden auch Maya-Sticks und Fatwood genannt. Am Ende dieses Artikels gehe ich näher darauf ein, welche Holzarten sich am besten dazu eignen.

Video-Tipp: Schaue dir auch mein Video dazu an, bei dem ich einen unscheinbaren alten Baum entdeckt habe. Überraschenderweise waren seine Aste durchtränkt mit Harz. So habe ich großartige Kienspäne gewonnen.

Bedeutung und Herkunft des Wortes

Zum ersten Mal tauchte der Begriff des Kienspans im 17. Jahrhundert auf. Bei dem Begriff handelt es sich um ein sogenanntes Determinativkompositum, also einfach um eine Wortzusammensetzung.

Der Begriff Span steht im Allgemeinen für ein kleines Teilchen. Dieses wurde von einem bestimmten Werkstück, in diesem Fall einem Stück Holz, abgetrennt.

Das Wort Kien hingegen bedeutet so viel wie Holzspan oder Fackel. Alternativ beschreibt Kien auch ein Stück Holz, welches eine verhältnismäßig große Menge an Harz beinhaltet.

Somit lässt sich daraus schließen, dass ein Kienspan ein Stück harzreiches Holz ist.

Harz tritt aus dem Holz aus
Harz tritt aus dem Holz aus

Lesetipp: Schau dir gleich meinen Artikel an zu: “16 Möglichkeiten, wie dir Harz in der Wildnis hilft”.

Verwendung vom Kienspan

Grundsätzlich gibt es nur zwei Haupt-Verwendungsarten vom Kienspan. Als Lichtquelle und als Zunder.

Für diese beiden eignet sich der Kienspan jedoch besser als die meisten anderen Materialien, die du dafür verwenden könntest.

Lichtquelle

Wie auch anderes einfaches Feuerholz, lässt sich ein Kienspan entzünden oder erhitzen. Eine gewisse Zeit lang diente das Holzstück so als Lichtquelle. Im Vergleich zum einfachen Lagerfeuer gibt es einige Vorteile in der Verwendung vom Kienspan.

Zum einen lässt sich das Abbrennen besser überwachen und lenken. Außerdem bist du in der Lage, die Brandgeschwindigkeit zu kontrollieren.

Allerdings tun sich dabei auch Nachteile auf. Einerseits brennt ein Stück Kienspan nur etwa 20 Minuten. Andererseits muss es ständig austariert werden, da die Flamme sonst besonders unruhig flackert.

Kienspan als Lichtquelle und Anzünder
Kienspan als Lichtquelle und Anzünder

Zunder

Dadurch, dass sehr kleine und feine Stückchen Kienspan recht lange und konstant brennen, eignen die sich ideal als Zunder.

Entzünde die Stückchen vom Kienspan, um damit ein größeres Feuer zu entfachen. Du wirst feststellen, dass du das Aufbauen deines Feuers mit dieser Zundervariante viel ruhiger angehen darfst.

Reibe die feinen Stückchen mit der Rückseite deines Messers ab. Heraus kommt dann “Kienspan-Wolle” wie du im Bild siehst.

Kienspan fein und klein ist perfekt als Zunder nutzbar
Kienspan fein und klein ist perfekt als Zunder nutzbar

Danach zündest du mit einem Feuerstahl das Zunderbündel an. Ist der Kienspan gut trocken, funktioniert das schon bei den ersten ein bis zwei Zündungen.

In meiner Anleitung zur Benutzung des Feuerstahl habe ich genau beschrieben wie du mit dem Werkzeug umgehst.

Mit deinem Feuerstahl entzündest du das Zunderbündel aus Kienspan-Wolle
Mit deinem Feuerstahl entzündest du das Zunderbündel aus Kienspan-Wolle

Hier noch eine Infografik zum weitergeben:

Kienspan: Von der Wurzel zum Feuer, eine Infografik der Schritte
Kienspan: Von der Wurzel zum Feuer, eine Infografik der Schritte

Lesetipp: Du suchst noch mehr Möglichkeiten für Zunder? Schau dir meinen Artikel “Survival Basiswissen: Zunder sammeln und selbst herstellen” an.

Wenn du noch mehr über Zunder und Feuermachen lernen willst, dann schau dir mein Buch “Die Feuer-Fibel” an.

Wie wurde der Kienspan früher genutzt?

Ab dem Paläolithikum, also der Altsteinzeit bis weit hinein in das 19. Jahrhundert, wurde der Kienspan als besonders beliebtes Beleuchtungsmittel genutzt. Bereits Homer lieferte um 700 vor Christus einen ersten schriftlichen Beleg über die Beleuchtung mit Hilfe vom Kienspan.

Alternative, künstlich geschaffene Lichtquellen waren weitaus kostspieliger und somit für die ärmeren Bevölkerungsschichten außer Reichweite. Dazu gehörten hauptsächlich Kerzen und ähnliche Beleuchtungsarten.

Bergarbeiter trugen während ihrer Arbeit ein brennendes Stück Kienspan im Mund. Dieses wurde zwischen den Zähnen eingeklemmt. Verlor ein solcher Ur-Bergmann seine Zähne, so wurde er als "bergfertig" bezeichnet. Er war invalide.

Kienspan war auch Teil von diversen Totenriten. Hierbei wurde dem Verstorbenen ein Stück des harzhaltigen Holzes in die Hand gegeben. Dies sollte ihm den Weg durch das dunkle Tal der Toten beleuchten.

Herstellung vom Kienspan

Wird die Baumrinde verletzt, so entsteht an dieser Stelle Kienholz. Damit diese “Wunde” auf natürliche Art und Weise schnellstmöglich wieder verschlossen wird, verstärkt der Baum die Produktion von Harz.

Zwar wird dieses Harz überwiegend zur Verletzung des Baumes transportiert, es lagert sich aber auch zu einem Großteil im Stamm ab. Nach einer gewissen Zeit härtet das Harz aus. Es nimmt eine kristalline Form an.

Achtung: Verletze aber keinen Baum mit Absicht - das ist verboten!

Suche dein Kienholz daher an Stellen die sich als besonders gut herausgestellt haben und naturfreundlich sind.

Kienspan findest du:

  • an einem alten Baumstumpf
  • an Stellen bei dem eine Verletzung war
  • an Stellen am Stamm an dem Äste austreten

Im Bild unten siehst du einen recht frischen Baumstumpf der Harz produziert. Hier braucht es noch Zeit, bis das Holz vollständig mit Harz getränkt ist.

Ein Baumstumpf mit Harz - hier lässt sich jedoch noch kein Kienspan ernten
Ein Baumstumpf mit Harz - hier lässt sich jedoch noch kein Kienspan ernten

Im nächsten Bild sieht du einen unscheinbaren Baumstumpf einer Kiefer, der oben vermodert war. Die Wurzeln haben aber über die Jahre hinweg viel Harz gesammelt.

Herausgekommen sind großartige Kienspäne.

Aus einem alten Baumstumpf einer Kiefer kann man gut Kienspan gewinnen
Aus einem alten Baumstumpf einer Kiefer kann man gut Kienspan gewinnen

Arbeite dich also bei einer brauchbaren Stelle an das harzdurchtränkte Holz heran.

Danach musst du das Holz in kleine, kurze Stücke schneiden oder hacken.

Zum Beispiel mit dem Beil “Fiskars Freizeitbeil X5” und dem Messer “Morakniv ELDRIS, Neck-Knife aus Sandvik-Stahl”.

Diese wiederum bearbeitest du dann weiter bis du lange, dünne Späne erhältst. Das ist der Kienspan.

Das Holz zerlegst du in handlichen Stücke. Ein Stück reicht für viel Zunder.
Das Holz zerlegst du in handlichen Stücke. Ein Stück reicht für viel Zunder.

Das Bild unten verdeutlicht, dass sich Harz auch an Stellen sammelt, an dem ein Ast vom Baum abgeht.

Kienspan findest du auch an Stellen, an dem ein Ast am Stamm austritt
Kienspan findest du auch an Stellen, an dem ein Ast am Stamm austritt

Welches Holz eignet sich dazu am besten?

Seit jeher wird die Kiefer zur Erzeugung von Kienspänen verwendet. Sie eignet sich dazu am besten. Nicht umsonst hört sie auf den Beinamen Kienföhre oder Kienbaum.

Auch die Fichte, die Tanne, die Lärche, ein Kirschbaum oder sogar der rosenartige Faulbaum eignen sich als gute Alternative zur Kiefer.

Frag bei einem Forstwirt oder Forstbesitzer in deiner Umgebung nach, ob er in nächster Zeit einen solchen Baum fällt. Dies solltest du besonders dann tun, wenn du keinen eigenen Wald oder zumindest Baum besitzt.

Ein besonders großartiger Fund von Kienspan aus Norwegen
Ein besonders großartiger Fund von Kienspan aus Norwegen

Ist ein Kienspan sammeln legal?

Mich erreichen ab und an Anfragen, ob ein Kienspan sammeln legal ist?

Grundsätzlich ist ein Kienspan sammeln legal, wenn es sich um totes Holz handelt und du den Kienspan für den Eigenbedarf nutzt.

Du darfst jedoch keine lebenden Bäume beschädigen und auch keine Kienspäne in Massen sammeln (z. B. um diesen zu verkaufen).

Wenn du richtig nachhaltig handeln möchtest, dann lass so viel Totholz im Wald wie möglich und nimm nur den Kienspan mit.

Dieses tote Holz braucht der Wald. Denn tote Bäume - egal ob am Boden oder stehend - ist der Erdboden (Humus) der Zukunft.

Kaufempfehlung

Nicht immer findest du Kienspäne in den heimischen Wäldern. Es kann lange dauern, bis du einen Baumstumpf mit ausreichend Harz gefunden hast.

Daher kannst du Kienspäne kaufen. Hier meine Kaufempfehlung. Ich selbst habe den Kienspan probiert und er brennt wirklich sehr gut (1 kg ca. 27 €).

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Fragen und Antworten

✅ Wie entsteht ein Kienspan? Kienspan entsteht, wenn sich über Jahre hinweg in den Wurzeln, Astansätzen oder Verletzungen des Baumes ausreichend Baumharz ansammelt.

✅ Was macht man mit einem Kienspan? Heute wird ein Kienspan von der Bushcraft- und Survival-Gemeinde vorwiegend zum Feuer entfachen genutzt. Der Kienspan dient fein abgerieben als Zunder. Früher wurde ein Kienspan als Lichtquelle genutzt.

✅ Wo finde ich einen Kienspan? Kienspäne findest du am besten in den Wurzelstöcken gefällter Kiefern. Das Wurzelwerk muss einige Jahre im Boden verweilen, damit sich ausreichend Baumharz im Holz ansammelt.

✅ Sagt man das Kienspan oder der Kienspan? Ein Kienspan ist ein flach gespaltenes Stück Holz. Es heißt daher korrekterweise DER Kienspan und DIE Kienspäne.


Hast du bereits Erfahrungen mit dem Kienspan gemacht?

Wozu verwendest du das Holz? Wie gewinnst du es? Kaufst du es oder produzierst du deine Kienspäne selbst? Bist du überzeugt davon oder nutzt du Alternativen? Welche?

Erzähle gerne in den Kommentaren über deine Erfahrungen mit dem Kienspan.


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