14 Holzarten und was du damit machen kannst – ein Kompass für draußen
👉 Das Wichtigste in Kürze
- Wenn du draußen bist, ist es super praktisch zu wissen, welches Holz du wofür nutzen kannst – sei es zum Schnitzen, Feuermachen oder Werkzeugbauen!
- Grundsätzlich unterscheidest du weiche (wie Linde, Weide, Pappel), mittelharte (Birke, Ahorn, Kirsche) und harte Hölzer (Buche, Eiche, Esche), und jede Sorte hat ihre Stärken.
- Für deine ersten Schnitzereien oder einen Feuerbohrer sind Weichhölzer wie Linde oder Weide perfekt, weil sie sich leicht bearbeiten lassen, aber denk dran: sie halten nicht ewig.
- Möchtest du etwas Stabiles wie einen haltbaren Löffel oder Werkzeugstiel, sind mittelharte Hölzer wie Ahorn oder Esche deine Freunde – sie sind ein guter Kompromiss aus Bearbeitbarkeit und Haltbarkeit.
- Beim Lagerfeuer heizen Buche und Eiche am besten und spenden lange Glut; für schnelles Feuer oder als Zunder sind Fichte, Kiefer (Stichwort Kienspan!) und Birkenrinde unschlagbar.
- Das Schönste daran: Dieses Wissen wächst mit jeder Outdoor-Erfahrung! Schau, riech und fühle das Holz – so entwickelst du eine echte Verbindung zur Natur und ihren Materialien.
Neulich stand ich mit einer Gruppe im Wald. Eine Teilnehmerin hielt einen Ast in der Hand und fragte: "Kann ich daraus einen Löffel schnitzen?"
Ich schaute mir das Holz an. Eiche. Knochenhart. Ich sagte: "Kannst du. Aber du wirst fluchen."
Sie lachte. Und genau da wurde mir klar: Das ist Wissen, das fehlt. Nicht weil es kompliziert wäre. Sondern weil es niemand mehr weitergibt.
Welches Holz brennt gut? Welches lässt sich schnitzen? Welches hält ewig, welches bricht nach zwei Wochen?
Wenn du draußen unterwegs bist oder mit Gruppen arbeitest, brauchst du dieses Wissen. Nicht als Theorie. Sondern als Kompass in der Jackentasche.
Hier ist meiner.
Erst mal: Weich, mittel, hart – was heißt das überhaupt?
Bevor wir in die einzelnen Holzarten eintauchen, eine kurze Orientierung.
- Weichhölzer sind Bäume, die schnell wachsen – Linde, Weide, Pappel zum Beispiel. Ihre Zellstruktur ist groß, die Zellwände dünn. Weniger Masse, weniger Widerstand. Perfekt zum Schnitzen lernen, für den Feuerbohrer, für schnelle Projekte. Aber: Sie nutzen sich auch schnell ab.
- Mittelharte Hölzer wie Birke, Ahorn oder Kirsche sind der goldene Mittelweg. Gut zu bearbeiten, halten aber länger. Ideal für Werkzeuge, die du öfter benutzt.
- Harthölzer wie Buche, Eiche oder Esche wachsen langsam. Sehr langsam. Ihre Zellwände sind dick, das Holz massiv und schwer. Jeder Schnitt kostet Kraft. Aber was du daraus machst, hält Generationen.
Die Kunst ist: Zu wissen, wann du was brauchst.

Die Weichhölzer – deine Freunde fürs Schnelle
1. Linde
Mein absoluter Liebling für Anfänger.
Das Holz ist so weich, dass selbst ein weniger scharfes Messer noch Späne macht. Die Fasern sind kurz und gleichmäßig. Kaum Maserung, die dir in die Quere kommt.
Standort: Die Linde liebt nährstoffreiche Böden und wächst gern in Parks, Alleen und an Waldrändern. In Dörfern findest du oft alte Dorflinden auf dem Marktplatz.
Wofür:
Erste Löffel, Figuren schnitzen, Druckplatten für Stempel, Holznadeln zum Nähen, Übungsstücke jeder Art. Welches Holz sich am besten zum Schnitzen eignet, habe ich in einem eigenen Artikel zusammengefasst.
Achtung: Für draußen nicht geeignet. Verrottet schnell, wird bei Feuchtigkeit weich.

2. Weide
Du findest sie an jedem Bach, jedem Teich, jedem feuchten Graben. Die langen, biegsamen Ruten sind ein Geschenk.
Standort: Überall dort, wo es feucht ist. Flussläufe, Teichränder, feuchte Wiesen. Die Weide braucht Wasser in der Nähe.
Wofür:
Körbe flechten (die klassische Flechtweide), lebende Bauten wie Tipis und Tunnel, Zäune, Holzheringe für Zelte und Planen. Das Holz selbst ist weich und lässt sich schnitzen – aber es reißt gern. Außerdem eines der besten Hölzer für den Feuerbohrer.
Besonders: Die Rinde enthält Salicin – der Stoff, aus dem ursprünglich Aspirin entwickelt wurde. Früher wurde Weidenrindentee bei Fieber und Schmerzen eingesetzt. Allerdings: Die Dosierung ist schwierig und für Schwangere nicht geeignet. Also eher ein spannendes Wissen als ein Praxistipp.

3. Pappel
Wächst schnell, ist leicht, schwimmt gut.
Standort: Pappeln lieben feuchte Böden und stehen oft an Flussufern, in Auwäldern und entlang von Kanälen. Auch als Windschutz an Feldrändern gepflanzt.
Wofür: Flöße bauen (wenn du mal eins brauchst), Modelle, Übungsprojekte. Ähnlich wie Linde, aber etwas gröbere Faser.
Feuer: Brennt schnell ab, wenig Glut. Gut als Zunder oder zum Anfeuern, aber nicht zum Heizen.

Die Nadelhölzer – vielseitiger als du denkst
4. Fichte
Der häufigste Baum in deutschen Wäldern. Du stolperst praktisch drüber.
Standort: Ursprünglich ein Gebirgsbaum, wurde die Fichte aber überall in Deutschland angepflanzt. Du findest sie in fast jedem Wald, besonders in Monokulturen.
Wofür: Bauholz für Unterstände, Gestelle, Dreibeine, Holzheringe, Baumhaken zum Aufhängen von Ausrüstung. Harzreich, also gut zum Feuermachen. Das Harz selbst ist Gold wert: Kleber, Wundverschluss, Räucherwerk.
Feuer: Brennt schnell und heiß, aber kurz. Sprüht Funken wegen des Harzes. Vorsicht bei deiner Feuerstelle.
Schnitzen: Geht, aber die Jahresringe sind hart, das Holz dazwischen weich. Ungleichmäßig.
5. Kiefer
Noch harziger als Fichte. Der Geruch allein ist eine Therapie.
Standort: Die Kiefer mag sandige, trockene Böden. Häufig in Brandenburg, in der Lüneburger Heide, auf Dünen und kargen Böden.
Wofür: Kienspan! Das harzgetränkte Holz aus dem Stamminneren brennt wie eine Fackel. Einer der besten natürlichen Feuerstarter überhaupt. Außerdem: Bauholz, Pfähle, Zaunpfosten.
Feuer: Wie Fichte – heiß, schnell, funkensprühend. Kienspan ist unschlagbar zum Anzünden.
Besonders: Das Kernholz ist erstaunlich haltbar. Alte Kiefernpfähle halten Jahrzehnte.

6. Lärche
Die Ausnahme unter den Nadelbäumen: Sie wirft im Herbst ihre Nadeln ab. So erkennst du Nadelbäume an ihren Nadeln.
Standort: Ursprünglich ein Alpenbaum, aber auch im Flachland angepflanzt. Mag lichte Standorte und kommt mit Kälte gut zurecht.
Wofür: Das haltbarste heimische Nadelholz. Perfekt für alles, was draußen bleiben soll. Bänke, Pfosten, Bootsteile.
Feuer: Brennt gut, weniger Funken als Fichte.
Bearbeitung: Härter als Fichte, aber noch gut zu schnitzen.

Die mittelharten Hölzer – der Allrounder-Bereich
7. Birke
Wenn die Sonne durch Birkenwald fällt, verstehst du, warum sie früher als heilig galt.
Standort: Die Birke ist ein Pionierbaum. Sie wächst überall dort, wo Platz ist – auf Lichtungen, Brachflächen, an Waldrändern. Anspruchslos und schnell.
Wofür: Die Rinde! Birkenrinde ist wasserabweisend, lässt sich in Lagen abschälen und brennt auch nass. Perfekt für Zunder, Behälter, Dachdeckung – du kannst sogar eine Streichholzschachtel aus Birkenrinde bauen. Das Holz selbst ist mittelhart und lässt sich gut drechseln und schnitzen – kleine Schüsseln, Pfannenwender und Holzgabeln gelingen damit gut.
Feuer: Hervorragendes Brennholz. Die Rinde brennt auch feucht, das Holz selbst muss trocken sein wie jedes andere auch. Gibt gute Glut.
Saft: Im Frühjahr angezapft, liefert die Birke süßlichen, nahrhaften Saft. Diese Bäume kannst du für Sirup anzapfen.

8. Ahorn
Fein, gleichmäßig, fast weiß. So unterscheidest du Spitz-, Berg- und Feldahorn.
Standort: Bergahorn in Bergwäldern und an Bächen, Spitzahorn in Mischwäldern und Parks, Feldahorn an Waldrändern und in Hecken.
Wofür: Küchengeräte! Löffel, Schneidebretter, Kellen, Pfannenwender, Holzgabeln. Das Holz gibt keinen Geschmack ab, ist hart genug für täglichen Gebrauch, aber noch gut zu bearbeiten.
Feuer: Gutes Brennholz, lange Glut.
9. Kirsche
Wunderschön. Rötlich, duftend, mit feiner Maserung.
Standort: Wildkirschen findest du an Waldrändern, in Hecken und lichten Laubwäldern. Kulturkirschen natürlich in Gärten und auf Streuobstwiesen.
Wofür: Wertvollere Schnitzprojekte. Wenn der Löffel ein Geschenk werden soll. Auch hervorragend für Messergriffe und Werkzeuggriffe – die Maserung macht jeden Griff zum Unikat. Außerdem gut für Pfeifenstiele und kleine Schalen.
Feuer: Brennt gut, riecht fantastisch.

10. Erle
Wächst am Wasser, oft übersehen.
Standort: Immer in der Nähe von Wasser. Bachläufe, Sumpfgebiete, feuchte Senken. Die Erle hält sogar Staunässe aus.
Wofür: Holzkohle! Erlenholzkohle ist die beste für Zeichenkohle. Das frische Holz ist orange – fast wie Blut. Lässt sich gut schnitzen. So stellst du selbst Holzkohle für Zunder her.
Feuer: Brennt schnell ab, wenig Heizwert. Aber: hervorragende Kohle.

Die Harthölzer – für die Ewigkeit
11. Buche
Die Königin des deutschen Waldes. Die Buche gehört zu den Bäumen, die jeder Survivalist kennen sollte.
Standort: Die Buche dominiert viele deutsche Wälder. Sie mag schattige, feuchte Standorte mit nährstoffreichen Böden.
Wofür:
Alles, was halten muss. Werkzeuggriffe, Hobelbänke, Löffel für den täglichen Gebrauch, Holzkeile zum Spalten, robuste Schüsseln. Buchenlöffel halten Jahre.
Feuer: Das beste Brennholz überhaupt. Lange, gleichmäßige Glut. Perfekt zum Kochen am Lagerfeuer.
Schnitzen: Hart. Du brauchst ein scharfes Werkzeug und Geduld. Aber es lohnt sich.
Früchte: Die Bucheckern sind essbar – ein knackiger Snack aus dem Wald.

12. Eiche
Das härteste heimische Holz. Symbol für Stärke. Nicht ohne Grund.
Standort: Eichen wachsen in Mischwäldern, an Waldrändern und als freistehende Bäume auf Weiden. Sie mögen tiefgründige Böden und viel Licht.
Wofür: Alles, was Jahrhunderte überdauern soll. Fachwerk, Schiffsbau, Fässer (die Gerbsäure gibt dem Wein und Whisky Geschmack), Holzkeile, die extreme Belastung aushalten. Werkzeuge nur, wenn du viel Zeit und scharfe Klingen hast.
Feuer: Brennt langsam, extrem lange Glut. Aber: schwer zu entzünden. Erst mit anderem Holz anfeuern.
Achtung: Die Gerbsäure greift Metall an. Eisennägel in Eiche werden schwarz. Übrigens: Eichenrinde ist hervorragend zum Gerben von Leder.

13. Esche
Der beste Kompromiss zwischen Härte und Bearbeitbarkeit.
Standort: Eschen mögen feuchte, nährstoffreiche Böden. Häufig an Bachläufen, in Auwäldern und an Waldrändern.
Wofür: Werkzeugstiele! Äxte, Beile, Hämmer, Holzhammer – Esche ist elastisch und dämpft Schläge. Außerdem Bogen (wenn du dich mal daran wagst).
Feuer: Gutes Brennholz, brennt auch relativ frisch.
Schnitzen: Anspruchsvoll, aber machbar. Die lange Faser macht es zäh.

14. Haselnuss
Technisch gesehen ein Strauch. Aber was für einer. Die Hasel gehört zu den vielseitigsten Gehölzen für Bushcraft.
Standort: An Waldrändern, in Hecken, in lichten Wäldern. Die Hasel braucht Licht und wächst gern in Gesellschaft anderer Sträucher.
Wofür: Stöcke! Wanderstöcke, Zeltstangen, Pfähle. Die geraden Ruten sind wie dafür gemacht. Außerdem: Bogenbau für Anfänger, Pfeilschäfte, Holzheringe, Baumhaken. Aus Hasel kannst du sogar eine Flöte bauen – wobei Knöterich noch einfacher ist.
Besonders: Haselnussruten lassen sich biegen, ohne zu brechen. Perfekt für gebogene Strukturen.
Feuer: Brennt gut, aber selten genug Masse zum Heizen.

Der Feuerbohrer – welches Holz funktioniert?
Das ist eine Frage, die mir ständig gestellt wird – und die Antwort ist so wichtig, dass ich ihr einen eigenen, ausführlichen Artikel gewidmet habe.
Kurz gesagt: Du brauchst weiches, trockenes Holz. Beide Teile – Spindel und Brett – sollten aus dem gleichen Holz sein. Pappel, Weide und Linde funktionieren am besten.
Hier findest du meinen kompletten Guide: Welches Holz für den Feuerbohrer?
Eine kleine Entscheidungshilfe
| Was willst du? | Nimm dieses Holz |
|---|---|
| Ersten Löffel schnitzen | Linde, Pappel oder Weide |
| Löffel, der hält | Buche oder Ahorn |
| Pfannenwender / Holzgabel | Ahorn oder Birke |
| Korb flechten | Weide |
| Feuerbohrer | Pappel, Weide oder Linde |
| Lagerfeuer, das wärmt | Buche oder Eiche |
| Feuer, das schnell brennt | Fichte, Kiefer, Birke |
| Werkzeugstiel | Esche oder Kirsche |
| Messergriff | Kirsche oder Birke |
| Holzkeile zum Spalten | Buche oder Eiche |
| Holzheringe | Haselnuss, Weide oder Fichte |
| Holzhammer | Esche, Buche, Kiefer, Fichte |
| Kleine Schüssel | Birke oder Buche |
| Baumhaken | Buche, Kiefer, Fichte |
| Holznadel | Hartholzreste |
| Unterstand bauen | Fichte oder Kiefer |
| Zunder | Birkenrinde oder Kienspan |

Was ich dir eigentlich sagen will
Du musst das nicht alles auswendig wissen.
Aber wenn du das nächste Mal mit einer Gruppe im Wald stehst und jemand einen Ast hochhält, dann schau hin. Riech dran. Drück mit dem Daumennagel rein. Merk dir, was funktioniert hat und was nicht.
Das ist Wissen, das wächst. Mit jedem Mal draußen.
Und vielleicht – wenn du mal einen Löffel aus Buche in der Hand hältst, den du selbst geschnitzt hast, einen Löffel, der in fünf Jahren noch genauso gut sein wird wie heute – dann verstehst du, was dieses Holzwissen wirklich ist.
Es ist kein Lexikon.
Es ist eine Beziehung.
Weiterführende Artikel:
- Holzlöffel schnitzen: wie du anfängst und was du brauchst
- Das beste Holz für das Lagerfeuer
- Welches Holz für den Feuerbohrer?
- 6 Bäume, die dir im Wald ein Zuhause geben
- Die 4 wichtigsten Kerben für Bushcrafting
Bis bald im Wald, Martin
P. S. Du suchst die hochwertigste Outdoor-Ausrüstung? Dann gehts hier zu den Kaufratgebern. Finde hier meine Liste zur eigenen Ausrüstung, die ich regelmäßig nutze.
Autor des Ratgebers
Martin Gebhardt
Hey, ich bin Martin und ich bin Wildnis-Mentor. Auf meinem Blog lernst du die Basics sowie zahlreiche Details zum Outdoor-Leben. Schnapp dir meine 35 einfach umsetzbaren Survival-Hacks, um ab morgen nicht mehr planlos im Wald zu stehen. Lies mehr über mich auf meiner “Über mich”-Seite.
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